
Morgens, 6:30, der verdammte Wecker
hört nicht auf zu klingeln. Noch einmal die Smooze Taste gedrückt, aber
es nützt nichts – ich muss aufstehen. Ab unter die Dusche. Nach 10
Minuten ausgiebiger warmer Dusche, verlasse ich entspannt und halbwegs
wach das angenehm warme Badezimmer. Natürlich nicht bevor ich noch kurz
Zähne geputzt und mich ein wenig ein parfümiert habe. Weiter geht es
zum Anziehen ins Schlafzimmer. Dort sehe ich noch einmal das einladende
Bett, aber ich darf nicht. Einen Kaffee zum Frühstück und dazu kurz
zwei schnelle Toasts und dann beginnt der Tag.
Nachdem die Wohnung verlassen wurde geht der Spaziergang zum
öffentlichen Nahverkehr los. Zum Glück regnet es nicht und mit zügigem
Schritt erreiche ich innerhalb von nur 10 Minuten den Bahnhof. Der
einfahrende Zug naht auch schon und nachdem alle Wartenden schnell
einsteigen, geht die Fahrt auch schon weiter. Nach 3 Stationen
ergattere ich einen der begehrten Sitzplätze und kann in aller Ruhe
meine Mitreisenden betrachten. In den U-Bahnen findet sich der
komplette Querschnitt der Gesellschaft – Anzugträger neben Punk,
Büroangestellte neben dem Handwerker auf dem Weg zur Schicht. Heute
habe ich Glück und mir gegenüber sitzt ein junges Pärchen, die zusammen
in einem Urlaubskatalog blättern. Direkt neben mir am Fenster sitzt
eine ältere Dame, die gedankenverloren auf die einfahrenden Bahnsteige
schaut, als ob Sie jemanden sucht. Zuerst schaffe ich es nicht das
Titelbild des Urlaubskatalogs von gegenüber zu sehen, aber dann
erblicke ich das Meer und davor ein kleiner Steg, der in das unendliche
Blau rein führt. Und dann passiert es – ich gerate ins Träumen und bin
am Meer. Der gesamte Tag vergeht wie im Flug, der nervende Kollege wird
ignoriert und dem Chef begegne ich heute gar nicht und die Arbeit
erledigt sich wie von selbst. Reisekataloge sind berauschend! Als
ich aus dem Traum vom Tag am Meer aufwache, sitze ich immer noch in der
U-Bahn – es ist inzwischen 19:16 Uhr und mir gegenüber sitzen zwei alte
Damen, die an mir rütteln und fragen, ob es mir gut geht und wie lange
ich denn schon unterwegs bin.
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